Heldin oder Närrin?

Noch einmal steigt Marina Yurlova (Natalia Witmer) in die Uniform einer längst geschlagenen Armee, greift zur Waffe und will an die Front. Wir schreiben das Jahr 1918. Zar Nikolaus II, in dessen Namen Marina seit vier Jahren kämpft, ist mitsamt seiner Familie erschossen wurden. Russland wird von einer ungeheuer blutigen Revolution eschüttert. Längst gibt es keine “Front” mehr, sondern nur die unzähligen unerklärten Fronten, die einen Bürgerkrieg ausmachen – alle gegen alle.

Und dennoch will Marina Yurlova, dreimal schwerst verwundet, von Narben gezeichnet, mit einer Schüttellähmung im linken Arm, noch einmal zurück und “kämpfen”. Wofür? Warum? Wahrscheinlich weiß sie es selber nicht. Seit ihrem 14. Lebensjahr kennt sie nur den Krieg. Jetzt ist sie 18 Jahre alt (vielleicht auch schon 20, wir wissen nicht, ob die echte Marina ein bisschen mit ihren Geburtsdaten geschummelt hat). Sie war noch nie verliebt, und alle ihre Freunde sind tot.

Sie wird die Front nie erreichen. Sonst würden wir ihre Geschichte nicht kennen, sie wäre einfach nur eine weitere namenlose Tote des gewaltigen Umbruchs, den wir “Oktoberrevolution” nennen.

 

 

 

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